Mein Tierschutzhund: Vom Zwinger direkt ins neue Zuhause
Jeder Hund, der zu uns ins Tierheim kommt, bringt seine ganz eigene Geschichte mit – Welpen natürlich ausgenommen, aber erwachsene Hunde haben oft schon einiges erlebt. Meist handelt es sich um Findlinge, Abgabehunde oder Tiere, die in letzter Sekunde aus grausamen Tötungsstationen gerettet wurden. In diesen Stationen herrschen Enge, Dunkelheit, kaum Wasser, wenig Futter und keine medizinische Versorgung. Ohne eine Rettung wäre das Schicksal dieser Tiere besiegelt.
Nach der Aufnahme im Tierheim durchlaufen die Hunde zunächst eine Quarantäne. Hier wird geprüft, ob sie verträglich sind, einen Einzelzwinger benötigen oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Gleichzeitig untersucht ein Tierarzt den gesundheitlichen Zustand. Akute Notfälle – wie Tumore oder Brüche – werden noch am selben Tag medizinisch versorgt. Den Großteil der Tierarztkosten tragen wir, den Rest übernimmt das Tierheim. Wir arbeiten stets nach bestem Wissen und Gewissen, denn das Tierwohl steht für uns an erster Stelle.
Häufige Fragen (FAQs) für den Start mit Ihrem neuen Familienmitglied
1. Die ersten Schritte im neuen Heim
Über die Türschwelle gehen: In Ungarn kennen Hunde das Leben im Haus meist gar nicht und wurden früher oft nur vertrieben. Zögert Ihr neues Familienmitglied am Anfang, geben Sie ihm einfach etwas Zeit.
Treppen steigen: Da die Hunde überwiegend im Garten oder Hof als Wachhund lebten, sind Treppen absolutes Neuland für sie und müssen erst schrittweise erlernt werden.
Auf den Namen hören: Viele Hunde hatten in Ungarn keinen Namen, lebten an der Kette und wurden kaum beachtet oder gerufen.
Stubenreinheit: Das Konzept von "drinnen" und "draußen" ist ihnen fremd. Mit etwas Geduld verstehen sie jedoch schnell, wo ihr Geschäft hingehört.
2. Draußen unterwegs & Alltag
An der Leine laufen: Kaum ein Hund in Ungarn kennt Spaziergänge an der Leine; manche wurden dort leider mit Leinen oder Ketten geschlagen. Reagiert Ihr Hund ängstlich, trainieren Sie in kleinen, positiven Einheiten. Unser Tipp: Nutzen Sie unbedingt ein ausbruchssicheres Sicherheitsgeschirr!
Auto fahren: Nach einer mindestens 18-stündigen Transportfahrt ist das Auto für den Hund oft noch negativ besetzt. Führen Sie ihn danach behutsam und stets gesichert an das Autofahren heran – verknüpft mit schönen Ausflügen.
Alleine bleiben: Das Alleine bleiben sollte von Anfang an in winzigen Schritten geübt werden (z. B. kurz den Müll rausbringen) und je nach Charakter des Hundes langsam ausgebaut werden.
Umweltreize & Verkehr: Autos, Fahrräder, Katzen oder Kinder sind oft ungewohnt. Beobachten Sie Ihren Hund gut und sichern Sie ihn anfangs doppelt mit einem Geschirr ab, damit er sich bei plötzlichen Geräuschen nicht erschrecken und entkommen kann.
3. Vergangenheit & Charakter
Alter des Hundes: Das Alter wird anhand von Zähnen, Körperbau und Verfassung geschätzt; ein exaktes Geburtsdatum liegt nur selten vor.
Angst vor Männern/Menschen: Viele Hunde haben durch Schläge, Tritte oder das Werfen von Steinen schlechte Erfahrungen gemacht. Sie müssen erst lernen, dass von Menschen keine Gefahr mehr ausgeht. Bedrängen Sie Ihren Hund nicht und geben Sie ihm Zeit – es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie freundlich diese Hunde trotz ihrer Vergangenheit zu uns Menschen sind.
4. Gesundheit, Parasiten & Mittelmeerkrankheiten (MMK)
MMK-Test: Krankheiten wie Ehrlichiose, Babesiose, Borreliose, Leishmaniose oder Herzwürmer (übertragen durch Zecken oder Stechmücken) werden bei Hunden ab 8 Monaten vor der Ausreise über einen CaniV-4D-Test überprüft.
Parasiten & Würmer: Kurz vor der Ausreise werden die Hunde entwurmt und mit einem Spot-on behandelt. Da sie bis zur Abreise jedoch stets mit Keimen in Kontakt kommen können, empfehlen wir bei Ankunft eine erneute Entwurmung (z. B. mit Aniprazol). Bei Verdacht auf Giardien gibt eine Kotprobe beim Tierarzt Gewissheit (Kostenpunkt für die Kotprobe bis zu 25 € zzgl. Wurmmittel).
Regelmäßige Vorsorge: Generell sollte Ihr Hund alle drei Monate entwurmt oder mittels Kotproben gezielt untersucht werden. Wir empfehlen zudem, ein halbes Jahr nach der Adoption ein großes Blutbild inklusive MMK-Test bei Ihrem Tierarzt durchführen zu lassen.